Mikroplastik in Glasflaschen, Plastikflaschen und Dosen: was Studien zeigen
Mikroplastik in Glasflaschen, Plastikflaschen und Dosen: was Studien aus Deutschland und Frankreich zeigen, woher die Partikel kommen und was offen ist.
Steckt Mikroplastik in Glasflaschen? Ja – und in manchen Getränken sogar mehr als in Plastikflaschen oder Dosen. Das zeigte 2025 eine Studie der französischen Behörde für Lebensmittelsicherheit ANSES; die Partikel stammten dort vermutlich von der Farbe der Kronkorken. Eine Studie aus Deutschland fand schon 2018 Mikroplastik in Mineralwasser aus allen untersuchten Verpackungen. Was die Zahlen bedeuten, was sie nicht bedeuten und was man über Dosen weiß, ordnet dieser Ratgeber ein.
Was ist Mikroplastik?
Als Mikroplastik bezeichnet das Umweltbundesamt Plastikstücke, die kleiner als 5 mm sind. Man unterscheidet zwei Sorten:
- Primäres Mikroplastik wird so klein hergestellt – etwa Basispellets für die Kunststoffproduktion oder Granulate in Kosmetik wie Peelings oder Zahnpasta.
- Sekundäres Mikroplastik entsteht, wenn größere Plastikteile physikalisch, biologisch oder chemisch zerfallen. Ein Beispiel des Umweltbundesamts: Pro Waschgang gelangen bis zu 2.000 Kunstfasern aus Fleece-Kleidung über Gewässer ins Meer, weil Klärwerke sie nicht zurückhalten.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt als übliche Größenangabe Partikel von 1 Mikrometer bis 5 mm und betont, dass die Angaben nicht immer einheitlich sind. Als wichtigste Quellen für sekundäres Mikroplastik nennt es Reifen- und Straßenabrieb, Emissionen aus der Abfallbeseitigung und Farbabrieb.
Die Studie aus Deutschland: Mineralwasser in verschiedenen Verpackungen
Forschende um D. Schymanski haben 2018 Mineralwasser aus 22 Mehrweg- und Einweg-Plastikflaschen, 3 Getränkekartons und 9 Glasflaschen aus deutschen Supermärkten untersucht. Mikroplastik fanden sie in jeder Verpackungsart; fast 80 % der Partikel waren zwischen 5 und 20 Mikrometer groß. Solche Partikel unter 20 Mikrometern kann die in früheren Studien verwendete Infrarot-Methode nicht erfassen; die Forschenden nutzten deshalb Mikro-Raman-Spektroskopie.
| Verpackung | Mikroplastik je Liter (Mittelwert) |
|---|---|
| Mehrweg-Plastikflasche | 118 ± 88 |
| Glasflasche | 50 ± 52 (Spanne 0 bis 253) |
| Einweg-Plastikflasche | 14 ± 14 |
| Getränkekarton | 11 ± 8 |
| Blindwert zum Vergleich | 14 ± 13 |
Wichtig für die Einordnung: Statistisch signifikant vom Blindwert unterschieden sich nur die Mehrwegflaschen. Dort bestanden die Partikel überwiegend aus PET und Polypropylen – den Materialien von Flasche und Deckel. In Wasser aus Kartons und Glasflaschen fanden sich andere Kunststoffe wie Polyethylen; die Autorinnen und Autoren erklären das mit der Polyethylen-Beschichtung der Kartons und mit Gleitmitteln an den Verschlüssen.
Die Studie aus Frankreich: Getränke in Glas, Plastik und Dose
Die ANSES hat 2025 Getränke wie Wasser, Limonade, Eistee, Wein und Bier in unterschiedlichen Verpackungen untersucht. Ergebnis: Mikroplastik steckte in allen Getränken, in Glasflaschen aber meist mehr als in Plastikflaschen, Kartons oder Dosen.
- Cola, Limonade, Eistee und Bier in Glasflaschen: im Durchschnitt rund 100 Partikel je Liter – in Plastikflaschen und Dosen fünf- bis fünfzigmal weniger.
- Wasser: unabhängig von der Verpackung relativ wenig – 4,5 Partikel je Liter in Glasflaschen, 1,6 in Plastikflaschen und Kartons.
- Wein: ebenfalls wenig Mikroplastik, auch in Glasflaschen mit Korken.
Als Quelle vermuten die Forschenden die Farbe auf den Metall-Kronkorken: Die Partikel hatten meist dieselbe Farbe und Zusammensetzung wie der Lack, und die Deckel zeigten winzige Kratzer, wohl durch Reibung bei der Lagerung. Wurden die Deckel vor dem Verschließen mit Luft ausgeblasen, sank die Belastung im Test von 287 auf 106 Partikel je Liter, mit zusätzlichem Spülen auf 87. Hersteller könnten außerdem die Lagerung der Deckel ändern, um Reibung zu vermeiden, oder eine andere Farbe verwenden.
Was an den Zahlen kritisiert wird
Eine Gruppe internationaler Forschender um Jane Muncke vom Food Packaging Forum hat im September 2025 einen Kommentar zur ANSES-Studie veröffentlicht. Zwei Punkte stehen im Mittelpunkt:
- Bezug auf den Liter: Rechnet man je Liter, wirken kleine Verpackungen belasteter, weil sie im Verhältnis zum Inhalt mehr Oberfläche haben – und die Glasflaschen der Studie waren meist kleiner als die Plastikflaschen derselben Getränkeart.
- Nur die Endverpackung: Mikroplastik kann auch aus Abfüllanlagen und Lagerbehältern vor dem Abfüllen stammen; das berücksichtigte der Vergleich nicht.
Hinzu kommt eine grundsätzliche Grenze: Laut BfR gibt es noch keine zuverlässigen Methoden, Menge und Zusammensetzung von Mikroplastik in Lebensmitteln zu bestimmen. Studien mit unterschiedlichen Methoden lassen sich deshalb nur eingeschränkt vergleichen.
Und die Dose?
In der ANSES-Studie lagen die Werte für Cola, Limonade, Eistee und Bier in Dosen deutlich unter denen in Glasflaschen mit Kronkorken. Mikroplastik-frei ist aber keine Verpackung: Die ANSES fand Partikel in allen Getränken.
Getränkedosen sind innen beschichtet. Für solche Beschichtungen in Lebensmittel- und Getränkedosen wurden unter anderem Epoxidharze verwendet, die mit Bisphenol A (BPA) hergestellt werden. Seit dem 20. Januar 2025 verbietet die EU BPA in Lebensmittelkontaktmaterialien; für die meisten Produkte galt eine Übergangsfrist bis zum 20. Juli 2026. Auch unsere Dosen haben eine Innenbeschichtung, deren Verträglichkeit mit jedem Getränk vor der Abfüllung geprüft wird. Mehr zu Bisphenol A folgt im Artikel Bisphenol A in Dosen.
Ist Mikroplastik gefährlich?
Das lässt sich nach heutigem Stand nicht sicher beantworten. Das BfR schreibt, dass es zu gesundheitlichen Risiken bei dauerhafter Aufnahme noch keine gesicherten Erkenntnisse gibt; es erwartet, dass sich das Wissen in den kommenden Jahren deutlich verbessert. In Fütterungsstudien des BfR zeigten verschiedene Mikroplastikpartikel bei Mäusen keine schädlichen Effekte auf Darmgewebe oder andere Organe – bei Mengen weit oberhalb dessen, was für Menschen realistisch erscheint. Auch die ANSES betont: Ohne toxikologische Referenzwerte lässt sich nicht sagen, ob die gefundenen Mengen ein Gesundheitsrisiko darstellen.
Aufnehmen kann der Mensch Mikroplastik über Luft, Staub, Trinkwasser, Lebensmittel und Kosmetik; nachgewiesen wurde es unter anderem in Mineralwasser, Honig, Bier, Salz, Obst sowie Fisch und Meeresfrüchten. Neben dem Lebensmittel selbst können Verpackungsmaterialien, Herstellungsprozesse und die Zubereitung Mikroplastik eintragen.
Was du selbst tun kannst
- Nicht auf eine einzelne Zahl verlassen: Die Studien messen unterschiedlich und sind nur eingeschränkt vergleichbar.
- Wasser ist wenig belastet: In der ANSES-Studie lag Wasser in allen Verpackungen im niedrigen Bereich.
- Mehrweg-Plastik kritisch sehen: In der deutschen Studie lag nur Wasser aus Mehrweg-Plastikflaschen signifikant über dem Blindwert.
Warum wir uns für die Dose entschieden haben, erklärt die Seite Warum Dose.
Häufige Fragen
Was ist Mikroplastik?
Laut Umweltbundesamt Plastikstücke, die kleiner als 5 mm sind – entweder bereits so klein hergestellt (primäres Mikroplastik) oder durch den Zerfall größerer Plastikteile entstanden (sekundäres Mikroplastik).
Ist in Glasflaschen mehr Mikroplastik als in Plastikflaschen?
Bei einigen Getränken ja: Die ANSES fand in Cola, Limonade, Eistee und Bier aus Glasflaschen im Schnitt rund 100 Partikel je Liter, in Plastikflaschen und Dosen fünf- bis fünfzigmal weniger. Bei Wasser war der Unterschied klein.
Hat Wasser in Glasflaschen Mikroplastik?
Ja, aber wenig: laut ANSES durchschnittlich 4,5 Partikel je Liter, gegenüber 1,6 in Plastikflaschen und Kartons. Die deutsche Studie von 2018 fand in Glasflaschen im Mittel 50 Partikel je Liter.
In welchen Flaschen ist am wenigsten Mikroplastik?
Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. In der deutschen Studie lagen Einweg-Plastikflaschen und Getränkekartons am niedrigsten, Mehrweg-Plastikflaschen am höchsten; in der ANSES-Studie lagen Getränke in Glasflaschen mit Kronkorken meist über denen in Plastikflaschen und Dosen.
Woher kommt das Mikroplastik in Glasflaschen?
Die ANSES vermutet die Farbe der Metall-Kronkorken: Die Partikel hatten dieselbe Farbe und Zusammensetzung wie der Lack.
Enthalten Getränkedosen Mikroplastik?
Die ANSES fand in allen Getränken Mikroplastik; in Dosen lagen die Werte für Cola, Limonade, Eistee und Bier aber deutlich unter denen in Glasflaschen. Dosen sind innen beschichtet.
Was macht Mikroplastik im Körper?
Gesicherte Erkenntnisse zu Risiken bei dauerhafter Aufnahme gibt es laut BfR noch nicht.
Was ist der größte Verursacher von Mikroplastik?
Als Quellen für sekundäres Mikroplastik nennt das BfR vor allem Reifen- und Straßenabrieb, dazu Emissionen aus der Abfallbeseitigung und Farbabrieb.
Quellen
- Umweltbundesamt: Was ist Mikroplastik?, abgerufen 16.09.26. umweltbundesamt.de
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Mikroplastik: Fakten, Forschung und offene Fragen, FAQ vom 19.06.24. bfr.bund.de
- Schymanski D, Goldbeck C, Humpf HU, Fürst P – Water Research 129 (2018): Analysis of microplastics in water by micro-Raman spectroscopy: Release of plastic particles from different packaging into mineral water, 2018. doi.org
- ANSES (Frankreich): The caps of glass bottles contaminate beverages with microplastics, 06/25. anses.fr
- Food Packaging Forum: Comment describes concerns with study that found glass bottles have more microplastics, 25.09.25. foodpackagingforum.org
- Europäische Kommission (Access2Markets): EU-Verbot der Verwendung und des Handels mit Bisphenol A ab dem 20. Januar 2025, abgerufen 16.09.26. trade.ec.europa.eu
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