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Dose & Kreislauf

Aluminium-Recycling: Was nach dem Pfandautomaten mit der Dose passiert

Aluminium-Recycling Schritt für Schritt: vom Pfandautomaten übers Einschmelzen bis zum neuen Blech – mit belegten Zahlen zu Quote, Energie und Grenzen.

Für eine Getränkedose beginnt das Aluminium-Recycling meist am Pfandautomaten. 2019 wurden in Deutschland 99,3 Prozent der Aluminium-Getränkedosen, gerechnet nach Gewicht, dem Recycling zugeführt. Hier liest du Schritt für Schritt, was nach der Rückgabe passiert, wie viel Energie Recycling gegenüber neuem Aluminium spart – und wo die Grenzen liegen.

Die wichtigsten Zahlen

KennzahlWertBezug
Aluminium-Getränkedosen, die dem Recycling zugeführt werden99,3 %Deutschland 2019, nach Gewicht
Rücklaufquote im Pfandsystem96 %Einweggetränkeverpackungen mit Pfand
Energie im Vergleich zu neuem Aluminiumetwa 95 % wenigerStand der Technik laut UBA
Sekundäraluminium in Dosenkörper und Verschluss79,3 %Basisszenario einer UBA-Studie

Die Recyclingquote stammt aus einer Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM), die im Auftrag von Branchenunternehmen entstand. Sie misst, wie viel dem Recycling zugeführt wird – nicht, wie viel Aluminium am Ende tatsächlich zurückgewonnen wird.

Schritt 1: Rückgabe am Pfandautomaten

Einweggetränkeverpackungen mit Pfand kosten mindestens 25 Cent Pfand, das du bei der Rückgabe zurückbekommst. Der Handel muss Einwegverpackungen der Materialarten zurücknehmen, die er selbst verkauft.

Im Automaten prüfen bis zu sechs Kameras in Bruchteilen von Sekunden das Pfandlogo der Deutschen Pfandsystem GmbH (DPG) und den Barcode. Ein Datenbankabgleich ordnet das Material zu, und hinter dem Eingabeschacht landen Flaschen und Dosen getrennt in eigenen Behältern. Mehr als 40.000 solcher Automaten sind laut DPG im Einsatz. Parallel zum elektronischen Datensatz wird die Verpackung physisch zerstört und dem Recycling zugeführt.

Vor dem Pfand sah das anders aus: 1995 lag die Rücklaufquote von Getränkedosen bei geschätzten 25 Prozent. Mit der Pfandpflicht ab 2003 stieg die Erfassung deutlich, und die Stoffströme wurden reiner.

Das System ist groß: rund 20 Milliarden Verpackungen im Jahr und mehr als 1.000 angeschlossene Unternehmen. Wie das Pfand genau funktioniert, erklärt der Beitrag Dosenpfand erklärt.

Schritt 2: Sortieren, pressen, abtransportieren

Nach der Erkennung werden die Flaschen und Dosen sortiert, zu großen Ballen gepresst und zur Recyclinganlage gebracht. Nicht jede Dose nimmt diesen Weg – so verteilten sich die Aluminium-Getränkedosen 2019:

Weg ins RecyclingAnteil
Pfandsystem der DPG93,7 %
Gelber Sack und Gelbe Tonne4,3 %
Sonstige getrennte Sammlung0,1 %
Rückgewinnung aus Restmüll und Sortierresten1,2 %
Insgesamt99,3 %

Für Dosen im Restmüll rechnet die GVM mit einer Rückgewinnungsquote von 63 Prozent des Aluminiums aus Müllverbrennungs- und mechanisch-biologischen Anlagen. Unter dem achtlos weggeworfenen Müll im öffentlichen Raum spielen Dosen nach der Pfandgutsammlung kaum eine Rolle: Ihr Anteil liegt laut GVM bei 0,03 Prozent der Tonnage.

Schritt 3: Entlacken, einschmelzen, reinigen

In der Recyclinganlage werden gebrauchte Getränkedosen gereinigt, entlackt und zu feinen Spänen zerkleinert. Diese schmelzen bei etwa 700 Grad Celsius zu flüssigem Rohaluminium. Reines Aluminium hat einen Schmelzpunkt von 660 Grad Celsius.

Beim Einschmelzen muss verhindert werden, dass die Oberfläche oxidiert – üblicherweise wird die Schmelze dafür mit Salzen abgedeckt. Verunreinigungen wie Lackreste lassen sich unter anderem durch Absetzen, Filtern und Spülen mit Gas entfernen; was an die Oberfläche steigt, wird als sogenannte Krätze abgeschöpft und wieder aufbereitet. Damit die Legierung stimmt, können Legierungselemente und Primäraluminium zugegeben werden.

Schritt 4: Barren, Blech, neue Dose

Das Aluminium wird wieder zu dünnem Blech gewalzt. Laut DPG entstehen aus einem Barren gebrauchter Getränkedosen rund 8.000 Meter Aluminiumblech – genug für geschätzt 700.000 neue Dosen. Eine der großen Anlagen steht in Nachterstedt: Sie wurde 2014 eröffnet, kann jährlich 400.000 Tonnen Aluminiumschrott verarbeiten und hat eine eigene Linie für Getränkedosen.

Aus dem Aluminiumband wird dann wieder eine Dose: Scheiben ausschneiden, zu einem Napf ziehen, in der Abstreckmaschine zur dünnwandigen Dose strecken, Boden formen, beschneiden und waschen. Danach wird die Dose außen lackiert und bedruckt, innen lackiert und nach dem Befüllen mit dem Deckel verschlossen, der aufgefalzt wird.

Unsere 0,33-Liter-Dosen sind Aluminiumdosen. Warum wir überhaupt auf die Dose setzen und was dagegen spricht, steht auf der Seite Warum Dose.

Wie viel Energie spart Aluminium-Recycling?

Neues Aluminium entsteht aus dem Erz Bauxit: Im Bayer-Verfahren wird daraus Aluminiumoxid, das in einer Schmelzflusselektrolyse, dem Hall-Héroult-Prozess, zu Aluminium reduziert wird. Diese Elektrolyse ist energie- und vor allem stromintensiv.

Recycling braucht deutlich weniger: Eine Einsparung von etwa 95 Prozent Energie ist laut Umweltbundesamt Stand der Technik. Das International Aluminium Institute, ein Branchenverband, beziffert für 2019 den Primärenergiebedarf weltweit auf 186 Gigajoule je Tonne Primäraluminium und 8,3 Gigajoule je Tonne Recyclingaluminium – eine Einsparung von 95,5 Prozent. Für Europa nennt es für 2015 einen niedrigeren Wert von 140 Gigajoule je Tonne Primäraluminium.

In Deutschland entstanden 2015 laut Umweltbundesamt 541.000 Tonnen Aluminium aus Erz und 620.000 Tonnen aus Sekundärmaterialien. Auch bei den Rückständen gibt es einen Unterschied: Je Tonne Aluminium fallen bei der Herstellung aus Erz rund zwei Tonnen an, vor allem Rotschlamm, der deponiert wird – beim Recycling etwa 100 Kilogramm, vor allem Salzschlacke, die sich aufbereiten lässt.

Der Grund: Altaluminium wird bei rund 660 Grad Celsius eingeschmolzen, während Primäraluminium im Hall-Héroult-Prozess bei etwa 950 Grad Celsius mit anschließender Elektrolyse gewonnen wird.

Die Grenzen: Legierungen, Downcycling und die Mehrweg-Frage

Dass sich Aluminium immer wieder ohne Qualitätsverlust recyceln lässt, stimmt nur unter Bedingungen. Werden Aluminiumlegierungen sortenrein gesammelt, lassen sie sich ohne Qualitätsverlust recyceln. Werden sie gemischt, kommt es zum Downcycling, weil Legierungselemente wie Magnesium beim Umschmelzen nicht entfernt werden können.

Laut Umweltbundesamt werden Aluminium-Altschrotte deshalb überwiegend zu Gusslegierungen verarbeitet; für hochwertige Knetlegierungen wird der Schmelze derzeit bis zu 50 Prozent Primäraluminium zugegeben. Auch für Getränkedosen gilt: Ein hoher Anteil Sekundäraluminium ist nur möglich, wenn genug Sekundäraluminium für die benötigten Legierungen verfügbar ist. Beim Recycling fallen zudem Salzschlacken an, deren Aufbereitung ein eigener Zweig der Abfallwirtschaft ist.

Und: Recycling macht die Einwegdose nicht automatisch zur besten Wahl. Das Umweltbundesamt rät in seinen Umwelttipps zu Mehrwegflaschen aus der Region und dazu, auf Einwegflaschen und Dosen zu verzichten. Welche Pflichten die EU-Verpackungsverordnung für Verpackungen bringt, erklärt der Beitrag EU-Verpackungsverordnung.

Was du tun kannst

  • Dosen mit Pfandlogo zurückgeben: Du bekommst das Pfand von mindestens 25 Cent zurück, und die Dose landet getrennt nach Material im Automaten.
  • Dort zurückgeben, wo Dosen verkauft werden: Der Handel muss nur die Materialarten zurücknehmen, die er selbst im Sortiment hat.
  • Nicht in den Restmüll: Aus Müllverbrennungs- und mechanisch-biologischen Anlagen wird laut GVM nur ein Teil des Aluminiums zurückgewonnen.

Häufige Fragen

Kann man Aluminium recyceln?

Ja. Aluminiumschrott wird eingeschmolzen, von Verunreinigungen wie Lacken befreit und in der Zusammensetzung angepasst. Getränkedosen werden dafür gereinigt, entlackt, zerkleinert, bei etwa 700 Grad Celsius geschmolzen und wieder zu Blech gewalzt.

Wie oft kann man Aluminium recyceln?

Laut dem Branchenverband GDA immer wieder ohne Qualitätsverlust. Das gilt aber nur für sortenrein gesammelte Legierungen – gemischt kommt es zum Downcycling, weil Elemente wie Magnesium beim Umschmelzen nicht entfernt werden können.

Wie viel Energie spart Aluminium-Recycling?

Etwa 95 Prozent gegenüber neuem Aluminium – das ist laut Umweltbundesamt Stand der Technik. Das International Aluminium Institute nennt für 2019 weltweit 186 Gigajoule je Tonne Primäraluminium und 8,3 Gigajoule je Tonne Recyclingaluminium.

Wie hoch ist die Recyclingquote von Getränkedosen?

2019 wurden in Deutschland 99,3 Prozent der Aluminium-Getränkedosen, gerechnet nach Gewicht, dem Recycling zugeführt – 93,7 Prozent über das Pfandsystem. Die GVM-Studie entstand im Auftrag von Branchenunternehmen.

Wohin mit der leeren Dose?

Dosen mit Pfandlogo gibst du im Handel zurück und bekommst mindestens 25 Cent. Zurücknehmen muss der Handel die Materialarten, die er selbst verkauft.

Wird aus einer alten Dose wieder eine neue?

Das ist möglich: Laut DPG ergibt ein Barren aus gebrauchten Dosen rund 8.000 Meter Blech für geschätzt 700.000 neue Dosen. Ein hoher Recyclinganteil setzt aber genug Sekundäraluminium in den benötigten Legierungen voraus.

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Quellen

  1. GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (im Auftrag von DAVR GmbH, Forum Getränkedose GbR, ThyssenKrupp Rasselstein GmbH): Recycling von Getränkedosen – Endbericht, April 2021, Bezugsjahr 2019. gvmonline.de
  2. Umweltbundesamt (TEXTE 124/2024): Ökobilanzielle Analyse von Optimierungspotentialen bei Getränkeverpackungen – Abschlussbericht, 2024. umweltbundesamt.de
  3. Umweltbundesamt: Aluminium – Factsheet (Projekt „Kartierung des Anthropogenen Lagers III“), Stand 15.05.19. umweltbundesamt.de
  4. International Aluminium Institute (Branchenverband): Aluminium recycling saves 95% of the energy needed for primary aluminium production, abgerufen 16.09.26. international-aluminium.org
  5. Wikipedia: Aluminiumrecycling, Stand 07.01.25. de.wikipedia.org
  6. Wikipedia: Getränkedose, Stand 10.08.26. de.wikipedia.org
  7. Gesamtverband der Aluminiumindustrie (GDA), Portal „alles über Alu“: Recycling, abgerufen 16.09.26. allesueberalu.de
  8. Deutsche Pfandsystem GmbH (DPG): Technische Höchstleister, 09.05.24. dpg-pfandsystem.de
  9. Deutsche Pfandsystem GmbH (DPG): Turning old into new – How used one-way beverage packaging is turned into high-quality new products, 11.09.22. dpg-pfandsystem.de
  10. Deutsche Pfandsystem GmbH (DPG): The DPG deposit process, abgerufen 16.09.26. dpg-pfandsystem.de
  11. Deutsche Pfandsystem GmbH (DPG): FAQ – Consumer questions / environment, abgerufen 16.09.26. dpg-pfandsystem.de
  12. Bundesgesetzblatt 2026 I Nr. 207: Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG), §§ 46, 47; Inkrafttreten 12.08.2026, ausgegeben 17.07.26. recht.bund.de
  13. Bundesvereinigung der Ernährungsindustrie (BVE): 20 Jahre Einwegpfand: Wie Deutschland das größte Pfandsystem der EU aufgebaut hat, 07.08.26. ernaehrungsindustrie.de
  14. Umweltbundesamt: Mehrwegflaschen sind umweltfreundlicher als Einwegvarianten, Stand 16.03.26. umweltbundesamt.de
  15. Acqua Reaper: Dosenspezifikation 0,33 l Sleek (Aluminium), 01/26.

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