Sprudel oder still? Wasser mit oder ohne Kohlensäure
Wasser mit oder ohne Kohlensäure: Was Sprudel mit Zähnen, Magen und Durst macht, was „Medium“ heißt und wann stilles Wasser besser passt – mit Studien.
Wasser mit oder ohne Kohlensäure – die meisten Deutschen trinken ihr Mineralwasser laut VerbraucherFenster Hessen mit Sprudel, andere greifen lieber zu stillem Wasser. Die kurze Antwort auf die Frage, was besser ist: Für gesunde Menschen ist Sprudelwasser grundsätzlich ebenso unbedenklich wie stilles. Ausnahmen gibt es bei Sodbrennen und empfindlichem Magen. Hier findest du, was Kohlensäure mit Zähnen, Magen und Durst macht – und was die Begriffe auf dem Etikett bedeuten.
Was ist Kohlensäure überhaupt?
Kohlensäure entsteht, wenn sich Kohlenstoffdioxid (CO₂) im Wasser löst. Natürlich passiert das zum Beispiel in Regionen mit vulkanischer oder geologisch aktiver Vergangenheit, wo CO₂ aus tieferen Erdschichten ins Grundwasser aufsteigt. Mineralwasser ist in Deutschland nach Kaffee das am häufigsten getrunkene Getränk: Jeder Mensch trinkt laut Verband Deutscher Mineralbrunnen rund 125 Liter im Jahr.
Wie stark ein Wasser prickelt, ist nicht einheitlich: Für „Medium“ oder „Classic“ gibt es keine gesetzlichen Vorgaben, der Kohlendioxidgehalt kann etwa zwischen 2,9 und 5,2 g pro Liter liegen. Kohlensäurehaltiges Wasser ist meist leicht sauer; stilles Mineralwasser ist je nach Mineralisierung ebenfalls nicht automatisch pH-neutral.
Was auf dem Etikett steht
Die Mineral- und Tafelwasser-Verordnung regelt genau, wie ein natürliches Mineralwasser mit Kohlensäure heißen muss:
- „natürliches kohlensäurehaltiges Mineralwasser“: Es hat nach dem Abfüllen so viel eigenes Kohlendioxid wie am Quellaustritt und setzt es von Natur aus wahrnehmbar frei.
- „mit eigener Quellkohlensäure versetzt“: Es enthält mehr Kohlendioxid aus demselben Quellvorkommen als am Quellaustritt.
- „mit Kohlensäure versetzt“: Das zugesetzte Kohlendioxid stammt aus einer anderen Herkunft als die Quelle.
Natürliches Mineralwasser darf nur mit amtlicher Anerkennung verkauft werden. Tafelwasser ist dagegen Wasser, das bestimmte zugelassene Zutaten enthält, etwa natürliches Mineralwasser, Trinkwasser, Meerwasser oder Salze; wurde es mit Kohlendioxid versetzt, darf die Bezeichnung einen Hinweis darauf tragen. Unsere Still und Sparkling sind als „Tafelwasser“ gekennzeichnet.
Greift Kohlensäure die Zähne an?
Normales Mineralwasser mit Kohlensäure gilt nach heutigem Kenntnisstand nicht als schädlich für den Zahnschmelz. Kohlensäure ist eine schwache Säure mit sehr geringer erosiver Wirkung; deutlich problematischer sind zuckerhaltige oder säurehaltige Getränke wie Cola, Limonaden oder Energydrinks.
Eine Laborstudie der Universität Birmingham hat das an extrahierten Zähnen gemessen: Sprudelnde Mineralwässer lösten etwas mehr Zahnsubstanz als stille, aber etwa hundertmal weniger als die verglichenen Softdrinks. Entgaste man das Sprudelwasser, sank der Wert – insgesamt blieb er aber niedrig, sodass die Kohlensäure an sich kein wichtiger Faktor zu sein scheint. Calcium im Wasser bremste die Auflösung zusätzlich. Wichtig: Das waren Laborversuche, keine Messungen im Mund.
Magen und Verdauung: Wer lieber still trinkt
Mit Sprudelwasser gelangt Kohlendioxid in den Körper, das wieder hinaus muss: Ein Teil wird über den Darm ins Blut aufgenommen und über die Lunge abgeatmet, der Rest entweicht über Aufstoßen und Blähungen. Das ist in der Regel harmlos.
Anders bei Menschen, die zu Sodbrennen neigen: Beim Aufstoßen kann Magensäure in die Speiseröhre gelangen und Sodbrennen auslösen. Auch bei empfindlichem Magen ist Wasser ohne oder mit wenig Kohlensäure empfehlenswerter.
Umgekehrt gibt es Hinweise auf Nutzen bei bestimmten Beschwerden: In einer kleinen italienischen Studie tranken 21 Menschen mit funktioneller Dyspepsie und Verstopfung etwa 15 Tage lang entweder Sprudelwasser oder Leitungswasser. In der Sprudelgruppe besserten sich die Beschwerdewerte für Dyspepsie und Verstopfung. Das ist eine sehr kleine Gruppe mit Beschwerden – auf alle Menschen übertragen lässt sich das nicht.
Durst: Löscht Sprudel besser?
Gefühlt ja. In Versuchen am Monell Chemical Senses Center tranken Erwachsene nach über zwölf Stunden ohne Essen und Trinken zunächst 400 ml eines Testgetränks, danach so viel stilles Wasser, wie sie wollten. Kälte und das Prickeln der Kohlensäure steigerten die durstlöschende Wirkung eines Getränks um bis zu 50 %. Ließ man die Teilnehmenden die getrunkene Menge schätzen, hielten sie kalte und sprudelnde Getränke für rund 22 % mehr.
Zwei Einschränkungen: Zwei Mitautoren waren bei einem Getränkehersteller beschäftigt. Und „gefühlt mehr“ heißt nicht, dass der Körper mehr Wasser bekommt. Wer wenig Durst verspürt, etwa viele ältere Menschen, sollte trotzdem auf die Menge achten.
Warum Mineralwasser unterschiedlich schmeckt
Bis aus Regenwasser Mineralwasser wird, sickert es viele Meter durch den Boden und sammelt sich in unterirdischen Reservoirs, manchmal mehrere Hundert Meter tief. Auf dem Weg durch verschiedene Gesteinsschichten wird es gefiltert und nimmt Mineralien auf. Je nach Region ändern sich Art und Menge der Mineralien – und damit der Geschmack: Mineralwasser kann salzig, sauer oder bitter schmecken. Die Kohlensäure kommt geschmacklich noch dazu, denn sie macht das Wasser leicht sauer.
Übrigens bremsten in der Laborstudie aus Birmingham gerade die Mineralstoffe, vor allem Calcium, das Herauslösen von Zahnsubstanz.
Sprudelwasser in der Küche
Kohlensäurehaltiges Wasser ist nicht nur zum Trinken da. Das VerbraucherFenster Hessen nennt mehrere Einsatzmöglichkeiten:
- Dünsten und Braten: Gemüse in Mineralwasser gedünstet behält seine Farbe und bleibt knackig. Fisch und Fleisch lassen sich in einer beschichteten Pfanne mit wenig Sprudelwasser ohne Fett braten – der Boden sollte nur knapp bedeckt sein.
- Cremige Desserts: Quark mit Sprudelwasser statt Milch glattgerührt wird besonders fluffig und cremig, ebenso Waffeln oder Mousse.
- Lockerer Teig: Ein Teil Mineralwasser statt Milch macht Pfannkuchen, Spätzle, Rührei oder Omelett lockerer. Backpulver ersetzt es im Kuchenteig aber nicht vollständig.
- Hefeteig: Mineralwasser kann die Teigstruktur verbessern und für eine lockere Krume sorgen; die Hefemenge lässt sich dadurch aber meist nicht wesentlich verringern.
Beim Sport: mit oder ohne?
Bei kürzeren Trainingseinheiten genügt laut Verbraucherzentrale oft Wasser; empfohlen wird, etwa eine halbe Stunde vor dem Training ein bis zwei Gläser zu trinken. Ob mit oder ohne Kohlensäure, legt sie nicht fest. Wer beim Laufen schnell Aufstoßen oder Magendrücken bekommt, orientiert sich an der Empfehlung für empfindliche Mägen: wenig oder keine Kohlensäure. Nach dem Sport eignet sich Mineralwasser ebenso wie verdünnte Frucht- oder Gemüsesäfte, um Flüssigkeit und Elektrolyte zu ersetzen. Mehr dazu in Elektrolyte ohne Zucker.
Noch ein Vorteil: Haltbarkeit
Kohlensäure kann die Vermehrung bestimmter Mikroorganismen erschweren und trägt damit zur Haltbarkeit des Wassers bei. Wer stilles Wasser aus der Leitung trinkt: Hat es über vier Stunden in der Hausleitung gestanden, lässt man es laufen, bis es kühler wird. In Deutschland kann man Leitungswasser bedenkenlos trinken.
Wie viel du insgesamt trinken solltest – mit oder ohne Sprudel –, steht im Ratgeber Wasser trinken. Unsere Sorten mit Geschmack gibt es mit Kohlensäure unter Wasser mit Geschmack.
Häufige Fragen
Ist Sprudelwasser ungesund?
Nein. Für gesunde Menschen ist Sprudelwasser grundsätzlich ebenso unbedenklich wie stilles Wasser. Bei Neigung zu Sodbrennen oder empfindlichem Magen ist wenig oder keine Kohlensäure empfehlenswerter.
Ist Mineralwasser mit oder ohne Kohlensäure besser?
Beides ist in Ordnung – es kommt auf deinen Magen und deinen Geschmack an. Sprudelwasser kann bei manchen Menschen Aufstoßen und Blähungen verursachen.
Greift Kohlensäure die Zähne an?
Kaum. Kohlensäure ist eine schwache Säure mit sehr geringer erosiver Wirkung. Im Labor lösten Sprudelwässer etwa hundertmal weniger Zahnsubstanz als Softdrinks.
Macht Kohlensäure Blähungen?
Sie kann: Ein Teil des Kohlendioxids entweicht über Aufstoßen und Blähungen, der Rest wird über die Lunge abgeatmet. Das ist in der Regel harmlos.
Was bedeutet „Medium“ bei Mineralwasser?
Einen mittleren Kohlensäuregehalt – gesetzlich geregelt ist der Begriff aber nicht. Der Kohlendioxidgehalt kann etwa zwischen 2,9 und 5,2 g pro Liter liegen.
Welches Wasser bei Sodbrennen?
Wasser ohne oder mit wenig Kohlensäure, denn beim Aufstoßen nach Sprudelwasser kann Magensäure in die Speiseröhre gelangen.
Löscht Wasser mit Kohlensäure den Durst besser?
Das Gefühl ja: In einer Studie steigerten Kälte und Kohlensäure die durstlöschende Wirkung eines Getränks um bis zu 50 %. Die nötige Trinkmenge ändert das nicht.
Quellen
- VerbraucherFenster Hessen (Hessisches Ministerium): Mehr als H₂O: Alle Infos zum Durstlöscher Mineralwasser, 29.06.26. verbraucherfenster.hessen.de
- Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de): Mineral- und Tafelwasser-Verordnung (Min/TafelWV), zuletzt geändert 20.06.23. gesetze-im-internet.de
- Journal of Oral Rehabilitation (Parry J, Shaw L, Arnaud MJ, Smith AJ): Investigation of mineral waters and soft drinks in relation to dental erosion, 2001;28(8):766–772. doi.org
- European Journal of Gastroenterology & Hepatology (Cuomo R et al.): Effects of carbonated water on functional dyspepsia and constipation, 2002;14(9):991–999. doi.org
- PLOS ONE (Peyrot des Gachons C, Avrillier J, Gleason M et al.): Oral Cooling and Carbonation Increase the Perception of Drinking and Thirst Quenching in Thirsty Adults, 29.09.16. doi.org
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de: Im Alltag genug trinken: Tipps und Hilfen, 18.10.23. gesundheitsinformation.de
- Verbraucherzentrale Hessen: Spezielle Sportgetränke sind überflüssig, Stand 27.04.22. verbraucherzentrale-hessen.de
- Verbraucherinformationssystem Bayern (Kompetenzzentrum für Ernährung, Ursula Haas): „Was ist dran am richtigen Trinken?“ – Die Bedeutung des Trinkens für die menschliche Ernährung, 10.08.21. vis.bayern.de
- Acqua Reaper: Produktetiketten Still und Sparkling, 08/26.
- Acqua Reaper: Produktetiketten, Stand 07/26.
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