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Zuckerfrei ohne Süßstoff

Sind Süßstoffe krebserregend? Der Faktencheck

Süßstoff krebserregend? Was an den Schlagzeilen zu Aspartam, Erythrit und Sucralose dran ist – mit Einordnung von WHO, EFSA und DKFZ.

Ist Süßstoff krebserregend? Die kurze Antwort: Nach heutigem Kenntnisstand geht von keinem der in Deutschland zugelassenen Süßungsmittel eindeutig ein Krebsrisiko aus. So fasst es der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) zusammen. Warum es trotzdem immer wieder Schlagzeilen gibt – zu Aspartam, Sucralose oder Erythrit –, ordnet dieser Faktencheck ein.

Das Ergebnis auf einen Blick

BehauptungEinordnung
„Süßstoffe sind krebserregend.“Nicht belegt: Von keinem zugelassenen Süßungsmittel geht nach heutigem Stand eindeutig ein Krebsrisiko aus.
„Die WHO hat Aspartam als krebserregend eingestuft.“Verkürzt: Die IARC stufte Aspartam 2023 als „möglicherweise krebserregend“ ein (Gruppe 2B), auf Basis begrenzter Evidenz. Der ADI von 40 mg je kg Körpergewicht blieb unverändert.
„Sucralose ist gefährlich.“Differenzierter: Die EFSA ließ den ADI 2026 unverändert; offen ist, was beim langen Erhitzen auf hohe Temperaturen entsteht.
„Erythrit verursacht Krebs.“Nicht belegt: Laut EFSA ist Erythrit nicht genotoxisch.

Aspartam: Was „möglicherweise krebserregend“ bedeutet

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO sortiert Stoffe danach, wie stark die Belege für ein Krebsrisiko sind – nicht danach, wie groß das Risiko bei einer bestimmten Menge ist. Die Gruppen laut Krebsinformationsdienst:

  • Gruppe 1: Ein Krebsrisiko ist wissenschaftlich ausreichend belegt.
  • Gruppe 2A: begrenzte Belege aus Humanstudien, aber ausreichende aus Tierversuchen oder zum Mechanismus.
  • Gruppe 2B: nur begrenzte Belege aus Humanstudien oder deutliche Hinweise allein aus Tierstudien oder Mechanismus-Untersuchungen.
  • Gruppe 3: Es lässt sich keine Aussage treffen.

Aspartam landete 2023 in Gruppe 2B – wie laut Krebsinformationsdienst auch Aloe-vera-Extrakt oder asiatisch eingelegtes Gemüse. Das Expertengremium von WHO und FAO (JECFA) sah keinen Grund, den ADI von 40 mg je kg Körpergewicht zu ändern: Ein Erwachsener mit 70 kg müsste mehr als 9 bis 14 Dosen eines Getränks mit 200 bis 300 mg Aspartam am Tag trinken, um ihn zu überschreiten. Die EFSA kam im September 2026 zu dem Ergebnis, dass die verfügbaren Daten keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen der heutigen Aspartam-Aufnahme und Krebs stützen. Im Vergleich zu Risikofaktoren wie Rauchen oder rotem Fleisch ist eine krebserregende Wirkung von Aspartam laut Krebsinformationsdienst deutlich weniger gesichert.

Die NutriNet-Santé-Studie: Zusammenhang, kein Beweis

Viele Schlagzeilen gehen auf eine französische Beobachtungsstudie von 2022 zurück. Forschende werteten Daten von 102.865 Erwachsenen über im Mittel 7,8 Jahre aus. Wer mehr künstliche Süßstoffe aufnahm als der Durchschnitt der Konsumierenden, hatte ein um 13 % höheres Risiko für Krebs insgesamt als Menschen ohne Süßstoffe; bei Aspartam lag der Wert bei 15 %, bei Acesulfam K bei 13 %.

Die Autorinnen und Autoren nennen selbst die Grenzen: mögliche Verzerrung bei der Auswahl der Teilnehmenden, nicht erfasste Störfaktoren und umgekehrte Kausalität. Eine Beobachtungsstudie zeigt einen Zusammenhang, beweist aber nicht, dass der Süßstoff die Ursache ist. Die Forschenden sehen ihre Ergebnisse als Beitrag für die laufende Neubewertung der Zusatzstoffe.

Sucralose: drei Schlagzeilen, drei Einordnungen

  • Die Bewertung: Die EFSA hat Sucralose im Februar 2026 neu bewertet. Der ADI von 15 mg je kg Körpergewicht bleibt, die geschätzte Aufnahme lag in allen Bevölkerungsgruppen darunter.
  • Das Erhitzen: Unsicher ist, ob beim langen Erhitzen auf hohe Temperaturen Chlor aus Sucralose auf andere Moleküle übergeht. Das betrifft auch das Backen oder Braten zu Hause. Bei der industriellen Verarbeitung im Rahmen der zugelassenen Verwendungen erwartet die EFSA solche Bedingungen nicht. Deshalb bestätigte sie eine geplante Ausweitung auf feine Backwaren nicht.
  • Sucralose-6-acetat: 2023 fanden US-Forschende in Laborversuchen, dass Sucralose-6-acetat, ein Zwischenprodukt und eine Verunreinigung aus der Herstellung, das Erbgut schädigen kann. In Handelsproben lag der Anteil bei bis zu 0,67 %. Es handelt sich um Zell- und Gewebeversuche, nicht um Studien an Menschen.
  • Immuntherapie: Eine Studie von 2025 fand bei Mäusen und bei Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem Krebs, dass Sucralose-Konsum mit einem schlechteren Ansprechen auf bestimmte Immuntherapien verbunden war. Dabei geht es um die Wirkung einer Behandlung, nicht darum, ob Sucralose Krebs auslöst.

Erythrit: kein Hinweis auf Erbgutschäden

Die EFSA hat Erythrit (E 968) in ihrer Neubewertung vom 20.12.2023 als nicht genotoxisch eingestuft und wegen der abführenden Wirkung einen ADI von 0,5 g je kg Körpergewicht pro Tag festgelegt. Wie der Zuckeraustauschstoff hergestellt wird und was die EFSA sonst noch dazu schreibt, liest du auf unserer Seite zu Erythrit.

Saccharin: ein alter Verdacht, neu bewertet

Der frühere ADI für Saccharin beruhte auf Blasentumoren in Rattenstudien. Inzwischen besteht laut EFSA wissenschaftliche Einigkeit, dass diese Tumoren nur bei männlichen Ratten auftreten und für Menschen nicht relevant sind. 2024 hob die EFSA den ADI deshalb von 5 auf 9 mg je kg Körpergewicht an.

Was du daraus mitnehmen kannst

  • Übliche Mengen: Auch Aspartam kann laut Krebsinformationsdienst nach heutigem Wissen in üblichen Mengen weiter verzehrt werden.
  • Menge im Blick: Für jeden Süßstoff gilt ein eigener ADI – eine Übersicht mit allen Werten steht in unserem Artikel Süßstoffe im Überblick.
  • Erhitzen zu Hause: Beim Backen und Braten mit Sucralose sieht die EFSA offene Fragen zu möglichen Abbauprodukten.
  • Phenylketonurie: Wer PKU hat, sollte laut EFSA keine Lebensmittel mit Aspartam verzehren.

In unseren Dosen stecken keine Süßungsmittel. Das ist eine Geschmacksentscheidung und kein Urteil über Süßstoffe – nach heutigem Stand geht von zugelassenen Süßungsmitteln kein eindeutiges Krebsrisiko aus. Warum wir trotzdem ohne Zucker und Süßstoff arbeiten, steht auf Zuckerfrei ohne Süßstoff; was in Light- und Zero-Getränken steckt, im Artikel Zero-Getränke.

Dieser Faktencheck ersetzt keine ärztliche Beratung. Fragen zu Krebs beantworten die Ärztinnen und Ärzte des Krebsinformationsdienstes kostenlos unter 0800 420 30 40, täglich von 8 bis 20 Uhr.

Häufige Fragen

Ist Aspartam krebserregend?

Die IARC stufte Aspartam 2023 als „möglicherweise krebserregend“ (Gruppe 2B) ein, auf Basis begrenzter Evidenz; der ADI von 40 mg je kg Körpergewicht blieb unverändert. Die EFSA sieht keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen der heutigen Aufnahme und Krebs belegt.

Ist Sucralose krebserregend?

Die EFSA ließ den ADI 2026 unverändert. Offen ist, was beim langen Erhitzen auf hohe Temperaturen entsteht, etwa beim Backen zu Hause. Laborversuche zu einer Verunreinigung (Sucralose-6-acetat) deuten auf Erbgutschäden, Studien am Menschen dazu gibt es nicht.

Ist Erythrit krebserregend?

Dafür gibt es keinen Beleg. Die EFSA stufte Erythrit 2023 als nicht genotoxisch ein.

Wie schädlich ist Süßstoff wirklich?

Von keinem der in Deutschland zugelassenen Süßungsmittel geht laut Krebsinformationsdienst nach heutigem Stand eindeutig ein Krebsrisiko aus. Für jeden Süßstoff gilt ein ADI, bis zu dem die tägliche Aufnahme als unbedenklich gilt.

Welchen Süßstoff sollte man meiden?

Eine allgemeine Meideliste gibt es nicht. Wer Phenylketonurie hat, sollte kein Aspartam verzehren. Beim Backen oder Braten mit Sucralose zu Hause sieht die EFSA offene Fragen zu möglichen Abbauprodukten.

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Quellen

  1. Neubewertung von Erythrit (E 968) als Lebensmittelzusatzstoff | EFSA (efsa.europa.eu, 20.12.2023), abgerufen am 28.10.2026. efsa.europa.eu
  2. Re-evaluation of erythritol (E 968) as a food additive - PMC (pmc.ncbi.nlm.nih.gov), abgerufen am 28.10.2026. pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  3. Acqua Reaper: Produktetiketten, 07–08/26.
  4. Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ): Gesund ernähren – Krebs vorbeugen: Lebensmittelzusatzstoffe und Süßstoffe, abgerufen 16.09.26. krebsinformationsdienst.de
  5. Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ): Süßstoff Aspartam „möglicherweise krebserregend“, 20.07.23. krebsinformationsdienst.de
  6. World Health Organization (WHO), IARC, JECFA: Aspartame hazard and risk assessment results released, 14.07.23. who.int
  7. EFSA (Plain Language Summary; EFSA Journal doi:10.2903/j.efsa.2026.10259): Re-evaluation of salt of aspartame-acesulfame (E 962) as food additive, 10.09.26. efsa.europa.eu
  8. EFSA (Plain Language Summary): Re-evaluation of sucralose (E 955) as a food additive, 16.02.26. efsa.europa.eu
  9. EFSA Panel on Food Additives and Flavourings (FAF): Re-evaluation of erythritol (E 968) as a food additive, EFSA Journal 2023, 20.12.23. doi.org
  10. EFSA (Plain Language Summary): Re-evaluation of saccharin and its sodium, potassium and calcium salts (E 954) as food additives, 15.11.24. efsa.europa.eu
  11. PLoS Medicine (Debras C, Chazelas E, Srour B et al.): Artificial sweeteners and cancer risk: Results from the NutriNet-Santé population-based cohort study, 24.03.22. doi.org
  12. Journal of Toxicology and Environmental Health, Part B (Schiffman SS, Scholl EH, Furey TS, Nagle HT): Toxicological and pharmacokinetic properties of sucralose-6-acetate and its parent sucralose: in vitro screening assays, 29.05.23. doi.org
  13. Cancer Discovery (Morder KM, Nguyen M, Wilfahrt DN et al.): Sucralose Consumption Ablates Cancer Immunotherapy Response through Microbiome Disruption, 03.11.25. doi.org
  14. Verbraucherzentrale: Süßungsmittel: Was sind Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe?, Stand 26.06.25. verbraucherzentrale.de

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